Gedanken von Tom: Bei Zivilcourage verletzt worden – Ich würde wieder so handeln

26. Februar 2021 um 19:57

Gedanken von Tom: Bei Zivilcourage verletzt worden - Ich würde wieder so handeln

“Hallo liebes Polizist=Mensch Team.

Gern würde ich euch von einer kleinen Geschichte erzählen wollen, die mir an und nach Silvester passiert ist.

An Silvester wurde ich Zeuge und Teil eines Polizeieinsatzes. Ich wollte eigentlich nur eine Freundin besuchen, die schon an der Haltestelle auf mich gewartet hat.

Wir wollten gerade los laufen, als uns ein Polizist über ein paar Meter Entfernung zurief und fragte, ob wir eine verdächtige Person gesehen hätten oder uns etwas ungewöhnliches aufgefallen war. Um uns rum wurden Personalien von Jugendlichen aufgenommen. Bis dahin wusste ich noch nicht was genau los war. Also verneinten wir und gingen weiter.

Nach ein paar Metern sprang aus einer Ecke oder einem Gebüsch jemand raus und rannte an uns vorbei. Die Polizisten waren zu dem Zeitpunkt einige Meter hinter uns und riefen nur laut, dass er stehen bleiben soll.

Ohne zu zögern bin ich ihm hinterher gerannt und bei dem Versuch ihn zu fassen sind wir gestürzt. Wenige Sekunden später wurde er auch schon festgenommen. Das ging alles so schnell und ich stand so unter Adrenalin, dass ich nicht bemerkte, wie stark meine Hand blutete, weil ich in eine zerbrochene Flasche gefallen bin. Erst als die Beamten mit ihrer Taschenlampe auf meine Hand hielten und fragten ob ich einen RTW benötige, habe ich gesehen wie schlimm meine Hand aussieht.

Ich wurde von den Beamten noch mit zum Streifenwagen gebracht, betreut und wenige Minuten später an den Rettungsdienst übergeben.

Pünktlich 24 Uhr lag ich dann mit den ersten Infusionen im Arm in meinem Krankenzimmer. Eine Operation wurde für den nächsten morgen (1. Januar 2021) um 8 Uhr angesetzt.

Es wurde viel genäht und bis heute kann ich meinen Ringfinger an der linken Hand nicht vollständig bewegen, da es mir die Beugesehne durchtrennt hat.

Am 3. Januar wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und durfte wieder nachhause.

Was ich bis dahin nicht wusste, war, dass mir die Polizisten ihre Visitenkarte mit Aktenzeichen in meinem Geldbeutel hinterlassen haben. Ich hätte sie kontaktieren können und sie hätten mich persönlich nachhause gefahren.

Einen Tag später klingelte es gegen Mittag an meiner Tür. Es waren die am Einsatz beteiligten Polizisten mit einer kleinen Geschenktüte in der Hand. Sie übergaben sie mir und bedankten sich bei mir für meine Courage.

Im Gespräch mit den Beamten wurde mir auch klar, wem ich da hinterher gerannt bin. ‘Vorbestraft’, ‘Haftbefehl’ und ‘Umgang mit einer Waffe am Silvesterabend’ waren die Worte, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Als die Beamten wieder weg waren, fragte ich mich, wie es sonst noch für mich hätte ausgehen können bis auf ein paar Schnittwunden an der Hand..

Ich möchte an dieser Stelle den Beamten und auch Sanitätern, Ärzten und Krankenschwestern erneut danken! Dafür, dass sie so ruhig auf mich eingeredet haben als ich verletzt war, dass die Beamten mir angeboten haben mich nachhause zu fahren und dass sie mich besucht haben mit einem kleinen Dankeschön. So was habe ich überhaupt nicht erwartet und es hat mir gezeigt, dass gute Taten auch belohnt werden.

Dieses Silvester werde ich wahrscheinlich nie vergessen… Kaputte Hand, geprellte Schulter, zerrissene Jacke und vollgeblutete Schuhe waren das Ergebnis. Dafür konnte aber jemand festgenommen werden der es verdient hat. Genau dieses Wissen, zaubert mir dann doch wieder ein Lächeln ins Gesicht und ich würde mich jederzeit wieder einbringen um zu helfen.

Deswegen: Passt auf euch auf! Egal, ob Beamter oder Zivilist! Niemand weiß wie so ein Einsatz ausgehen kann und ich bin froh, es so ‘unbeschadet’ überstanden zu haben. Tom”