Jerusalema-Challenge: Tanzvideo mit finanziellen Folgen

17. Februar 2021 um 15:27

Das Lied „Jerusalema“ der Südafrikaner DJ Master KG und Nomcebo Zikode hat während der Coronapandemie einige Berühmtheit erlangt. Das liegt einerseits am leichtfüßigen Beat, andererseits aber auch an hunderten Videos, in denen Menschen und Berufsgruppierungen zum Rhythmus tanzen, während das Lied die Tanzszenen untermalt. Kein soziales Netzwerk ohne diese Challenges.

Eine Win-Win-Situation, sollte man meinen. Denn die Videos kommen fast ausnahmslos gut bei den Zuschauern an, sind oft kreativ gestaltet, werben einerseits für das Lied, andererseits für diejenigen, die sich die Choreographie ausgedacht und getanzt haben.

Doch damit ist seit einiger Zeit Schluss, denn der Verleger Warner Music treibt nun das Geld für nicht erhaltene oder beantragte Lizenzen ein. Mehrere Tausend Euro werden da schnell mal für ein wenige Minuten langes Video fällig, Löschzwang und Unterlassungserklärung inklusive. Die Möglichkeit eine Lizenz nachträglich zu erwerben erhält man in der Regel nicht.

Bereits mehrere Behörden von Feuerwehr und Polizei ist bereits eine Abmahnung ins Haus geflattert und das Innenministerium Nordrhein-Westfalen bestätigte kürzlich:

„Es trifft zu, dass das nordrhein-westfälische Innenministerium die Forderungen von Warner Music für mehrere Polizeidienststellen im Zusammenhang mit der Jerusalema-Challenge beglichen hat.“

Gleich mehrere Landesfeuerwehrverbände raten mittlerweile auf ihren Internetseiten ausdrücklich davon ab, diese Videos online zu stellen oder, sofern sie bereits hochgeladen wurden, umgehend zu löschen.

 

Unsere Meinung:

Natürlich sollen Künstler, die ein Werk geschaffen haben und die von Einnahmen dieses Werks ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, diese Einnahmen auch erhalten. Das ist gerecht und es ist geltendes Recht.

Andererseits gab es schon zig andere Challenges, bei denen Musik von Profis unterlegt wurde und bei denen Künstler und Verleger das stillschweigend, vielleicht sogar mit etwas Freude hingenommen haben, da ihr Lied viral geht.

Warner Music hat sich hier für einen anderen Weg entschieden und auch wenn sie als Begründung anführt, dass es „in diesen schwierigen Zeiten wichtiger denn je“ sei, „dass Künstler und Künstlerinnen für ihre Musik bezahlt werden“, was natürlich rechtens ist, darf man nicht vergessen, dass der Verleger eigene Interessen daran hat, an einem Lied mitzuverdienen – vermutlich nicht einmal zu knapp.

Wie dem auch sei, wir raten jedem, der sein Video noch im Internet präsentiert: Löschen! Und wer mit dem Gedanken spielt eins hochzuladen: Lassen! Es kostet euch schnell mehrere tausend Euro, plus Anwaltskosten.