19-Jähriger stirbt nach Aufenthalt im Polizeigewahrsam: Haltlose Vorwürfe gegen Polizei – Polizeipräsident nimmt Stellung

10. März 2021 um 18:45

19-Jähriger stirbt nach Aufenthalt im Polizeigewahrsam: Haltlose Vorwürfe gegen Polizei - Polizeipräsident nimmt StellungErst vergangene Woche hatten wir das wichtige Statement der Kollegen aus Hagen gepostet, in dem darum gebeten wird, in den sozialen Medien nicht jeden Polizeieinsatz mit Bild zu posten und dann darüber zu spekulieren. Dabei geht es nicht darum die Polizei nicht kritisch zu hinterfragen oder sachliche Kritik zu üben.

Es geht um Gerüchte, um Spekulationen und um haltlose Vorwürfe, wenn andere die falschen Behauptungen für bare Münze nehmen. Denn nicht nur die Polizei sieht sich diesen Fakenews und Gerüchten ausgesetzt. Selbst wenn die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene ausrückt geht es sofort in den lokalen Gruppen los mit den Spekulationen, Falschmeldungen inklusive.

Nun kam es in Delmenhorst (Niedersachsen) zu einem Unglücksfall, bei dem ein junger Mensch starb, der sich zuvor im Polizeigewahrsam befunden hatte und schon ging es los mit haltlosen Vorwürfen, Beleidigungen, Gerüchten. Menschen schlachteten den Unglücksfall für ihre eigenen Interessen aus, um gegen die Polizei zu stänkern – natürlich ohne Rücksicht auf die Hinterbliebenen des 19-Jährigen.

 

Was war passiert?

Am vergangenen Samstag kontrollierten zwei Polizisten in zivil zwei Männer, bei denen sie den Verdacht hatten, dass sie Drogen konsumierten. Als sich die Beamten als Polizisten zu erkennen gegeben hatten, wollte einer der jungen Männer flüchten, konnte aber nach wenigen Metern gestellt werden.

Während der anschließenden Personenkontrolle soll sich der 19-Jährigen widersetzt und einen Polizisten mit der Faust geschlagen haben. Dieser wehrte sich gegen den tätlichen Angriff mit dem Einsatz von Pfefferspray. Rettungskräfte wurden alarmiert, doch der 19-Jährige verweigerte eine medizinische Betreuung.

Anschließend ging es für den jungen Mann in den Polizeigewahrsam, da eine Bereitschaftsrichterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Blutentnahme bei dem 19-Jährigen angeordnet hatte. Bis der Arzt, der die Blutentnahme vornehmen sollte, eingetroffen war, sollte der Mann in einer Zelle warten.

Plötzlich sahen die Polizisten durch die Videoüberwachung in der Zelle, wie der junge Mann kollabierte. Die Beamten eilten herbei und leisteten Erste Hilfe, bis Rettungskräfte eingetroffen waren und den Mann in ein Krankenhaus brachten, wo er später verstarb.

 

Reaktionen im Netz

Im Netz löste der Vorfall eine heftige Empörung aus. Man sah, ohne es besser zu wissen, den Fehler bei der Polizei. Die Beamten sollen den jungen Mann angeblich zusammengeschlagen haben, was in Delmenhorst an der Tagesordnung sei. Von Polizeigewalt war die Rede, sogar vor Vergleichen mit der Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialisten im Dritten Reich scheuten einige nicht zurück.

 

Statement des Polizeipräsidenten

Nachdem sich einige in den sozialen Netzwerken am Wochenende ausgetobt hatten, sah sich der Polizeipräsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme, gestern dazu genötigt ein Statement zu verfassen und Stellung angesichts dieser haltlosen Vorwürfe zu beziehen:

„Den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen gilt mein tiefstes Mitgefühl. Es verursacht Trauer und Schmerz, wenn ein geliebter Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Dieser tragische Unglücksfall darf jedoch nicht dazu benutzt werden, völlig unberechtigt Hass und Hetze gegen die Polizei zu verbreiten.

Es ist ganz klar eine Grenze überschritten und nicht hinnehmbar, wenn die Polizei auf eine Stufe mit den Nazi-Schergen gestellt wird. Absurd und infam ist auch die Unterstellung, dass bei der Delmenhorster Polizei Zelleninsassen zusammengeschlagen werden. Das ist eine Verunglimpfung der Kolleginnen und Kollegen, die einen Eid abgelegt haben und jederzeit nach den Prinzipien des freiheitlich-demokratischen Rechtstaats handeln. Sie haben mein volles Vertrauen.“

 

Nichts dran an den Vorwürfen

Aus Neutralitätsgründen ermittelt nun die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland die Hintergründe. Zur Aufklärung über die Todesursache wurde eine rechtsmedizinische Untersuchung angeordnet.

Auch wenn noch kein endgültiges Ergebnis vorliegt, ist eines mittlerweile klar geworden: Der 19-Jährige starb nicht an einer Gewalteinwirkung von außen. An den Vorwürfen im Netz ist also überhaupt nichts dran.

Weitere Untersuchungen, insbesondere die toxikologische Untersuchung, sollen nun abgewartet werden, um die Todesursache bestimmen zu können.

 

Hinterbliebene bitten um Zurückhaltung

Auch die Hinterbliebenen haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet und distanzieren sich von den haltlosen Vorwürfen im Netz. Man bittet darum, keinen Hass gegen die Polizei zu schüren. Die Beisetzung des 19-Jährigen soll am morgigen Donnerstag stattfinden.