Gedanken zum internationalen Gedenktag für im Dienst verstorbene Polizisten von Heiko

7. März 2021 um 20:19

„Es ist ein schöner, sonniger Spätwintertag am Wochenende. Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, die Vögel zwitschern, die ersten Bienen sind auf Sammelflug, die ersten Krokusse stecken neugierig ihre Köpfe aus dem Boden…..“.

Gedanken zum internationalen Gedenktag für im Dienst verstorbene Polizisten von Heiko

Mit diesen Zeilen beginnt ein Text, mit dem ich meine Eindrücke anlässlich der Beerdigung einer jungen Kollegin, die unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung im Rahmen einer Einsatzfahrt tödlich verunglückte.

Während ich heute diesen Text verfasse ist ähnliches Wetter und der Jahrestag des Unfalls ist auch noch nicht lange her. Dieses Wetter wird für mich immer mit den Eindrücken dieser Beerdigung verknüpft sein.

 

Es gibt aber auch noch weitere Alltagssituationen oder wiederkehrende Momente, die mit Erinnerungen an tödlich verunglückte oder getötete Kollegen verknüpft sind.

Weihnachten, welches für mich, gleich zu Beginn meiner Laufbahn, einige prägende Momente aufweist, ist unter anderem verknüpft mit dem Tod des hessischen Kollegen an Heiligabend vor ein paar Jahren, der von einem Schwarzfahrer erstochen wurde.

Der Parkplatz an der Autobahn auf meinem tägliche Arbeitsweg, in dessen Nähe eine Kollegin meiner damaligen Dienststelle im Rahmen einer Verkehrskontrolle tödlich verunfallt ist.

Ortsnamen in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland an meinem Lieblingsmeer, sind verknüpft mit tragischen Unfällen bzw. getöteten Kollegen.

Den Namen Bad Kleinen verknüpft jeder mit Wolfgang Grams und der RAF, der Name Michael Newrzella ist, wenn überhaupt noch, lediglich in Polizeikreisen geläufig. Ich kenne ein paar, der am damaligen Einsatz beteiligten Beamte und weiß, was die Erinnerung mit ihnen gemacht hat.

Heiligendamm ist bekannt als Ort des G8-Gipfels im Jahr 2008 und für den teuren Zaun. Für mich ist er verknüpft mit dem tragischen Unfalltod von Benjamin Brekau nach Einsatzende, eines Bereitschaftspolizisten aus Nordrhein-Westfalen, der seine hochschwangere Frau hinterließ.

So gibt es noch einige Daten oder Orte, die mich an getötete Kollegen erinnern und ich gehe davon aus, dass es auch vielen anderen Kollegen ebenso geht. Je länger man im Dienst ist, desto mehr werden es.

 

Die Polizei ist eine Familie und der Polizeiberuf ist ein Teamberuf.

 

Man verbringt mehr Zeit mit Kollegen, als mit der eigenen Familie, es entwickeln sich enge Freundschaften und Beziehungen. Aus diesen Gründen ist es für mich immens wichtig, dass auch Raum geschaffen wird, um Kollegen zu gedenken.

Auf die psychologischen Effekte, die „übergangene Trauer“, mit einem machen kann, möchte ich nicht näher eingehen. Gott sei Dank ist man ja mittlerweile so weit, dass entsprechende Hilfen zum Umgang mit belastenden Einsätzen von dienstlicher Seite zur Verfügung gestellt werden.

 

Blickt man über die Grenzen in Nachbarländer stellt man fest, dass es dort eine ganz andere Gedenkkultur als in Deutschland gibt. In Frankreich z.B. wird im Rahmen der Feierlichkeiten zur Ehrung der Schutzheiligen der Gendarmerie, der heiligen Geniviéve, der verstorbenen Kollegen gedacht.

Für die Police nationale findet ein ähnliches Gedenken am Tag des heiligen Martin statt.

Bei Reisen durch die USA habe ich festgestellt, dass es in jedem Polizeirevier, welches ich besucht habe, eine „Wall of Remembrance“ gab. In Neuseeland wird der Haka im Gedenken an getötete Kollegen zelebriert.

 

Nur in Deutschland tut man sich schwer, wiederkehrende Gedenkveranstaltungen für im Dienst getötete Polizeibeamte in der Öffentlichkeit durchzuführen, von der Einrichtung von öffentlichen Gedenkorten ganz zu schweigen. Selbst bei der Verabschiedung von altgedienten Kollegen gibt es, wie unlängst in Köln passiert, Unverständnis in der Bevölkerung. Es ist ja schon mitunter schon extrem schwierig Trauerflor für die Dienst-Kfz genehmigt zu bekommen.

 

Daher finde ich es sehr gut, dass Interpol den siebten März jeden Jahres zum internationalen Gedenktag für im Dienst getötete Polizisten erklärt hat.

Enden möchte ich mit dem Titel eines Liedes von Billy Ray Cyrus:

„All gave some, some gave all“.

Der Liedtext bezieht sich zwar auf Soldaten, kann in meinen Augen aber ebenfalls auf unsere Berufsgruppe angewandt werden.

#FallenOfficers #unvergessen ⚫🔵⚫