Tamara, Auszubildende bei der Bayerischen Polizei: In einer Facharbeit habe ich mich damit beschäftigt, wenn ein Kollege im Dienst ums Leben kommt

7. März 2021 um 15:36

Tamara, Auszubildende bei der Bayerischen Polizei: In einer Facharbeit habe ich mich damit beschäftigt, wenn ein Kollege im Dienst ums Leben kommtMein Name ist Tamara, ich bin 24 Jahre alt und aus Unterfranken. Ich bin Beamtin in Ausbildung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Dachau und befinde mich aktuell im 4. Ausbildungsabschnitt, also kurz vor Ausbildungsende.

Im 3. Ausbildungsabschnitt ersetzt eine Facharbeit eine Klausur im Fach Politische Bildung / Zeitgeschehen. Die Themen sollten so gewählt werden, dass sie einen Bezug zur Polizei haben.

Im März 2020 kam ein Bekannter von mir, Polizeibeamter beim Präsidium Unterfranken, auf dem Weg zum Dienst mit einem anderen Kollegen, bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Den Unfall aufgenommen haben die Kollegen seiner Dienststelle.

Ein junger Mann mitten im Leben, kurz vor der Hochzeit und dem 30. Geburtstag. Dieses Unglück hat mich sehr lange beschäftigt und mitgenommen und jedes Mal, wenn ich meine Uniform trage, muss ich besonders an ihn und seine Hinterbliebenen denken.

Bereits vor diesem unfassbaren Ereignis, habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt, was passiert, wenn im Dienst ein Kollege ums Leben kommt, sei es durch einen Täter oder einen Unfall und wie ich damit umgehe. Mir ist bewusst, dass das ein Thema ist, mit dem sich die Wenigsten vor Ausbildungsbeginn oder auch während ihres Berufslebens, auseinandersetzen, da jeder Polizist hofft, dass so etwas nie passieren wird.

Doch in der heutigen Zeit und den zunehmend aggressiven Übergriffen auf Polizeibeamte, Sanitäter und Feuerwehren, ist der Gedanke nicht ganz unbegründet. Zumindest in meinen Augen. Das war auch der Anstoß für mein selbstgewähltes Facharbeitsthema „Trauerverarbeitung bei der Bayerischen Landespolizei: Welche Unterstützung gibt es für Polizeibeamte, wenn ein Kollege im Dienst ums Leben kommt?“

Da es zu diesem speziellen Thema kaum Material im Internet oder auch Bücher gibt, habe ich einen Fragebogen erstellt und an den Zentralen Psychologischen Dienst München, an den Polizeilichen Sozialen Dienst der III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg, an den Polizeiseelsorger der III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg und einer Kollegin meiner Dienstelle, die im Team des Vereins „Stressbearbeitung nach belastenden Einsätzen“ in Unterfranken ist, geschickt.

Da der Inhalt meiner Facharbeit den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, möchte ich nur auf die wichtigsten Punkte meiner Auswertung und meines persönlichen Fazits eingehen.

Zu Beginn lässt sich feststellen, dass sich im Bereich Fürsorge und Unterstützung für Polizeibeamte bei der Bayerischen Landespolizei in den letzten Jahren einiges getan hat und sie mittlerweile gut und umfangreich aufgestellt ist.

Bezogen auf mein Thema Trauerverarbeitung wird hier definitiv sehr viel geboten, sei es Gesprächskreise mit der eigenen Dienstgruppe (Kollegen helfen Kollegen), Gespräche und dauerhafte Betreuung durch Polizeiseelsorger / Polizeilich Sozialen Dienst/ ZPD, Einzelgespräche oder auch die Vermittlung an Fachärzte, wenn keine Besserung der psychischen Situation der betroffenen Kollegen zu erkennen ist.

Zum Glück, und das liest sich deutlich heraus, kommen solche Fälle, wie der Tod eines Kollegen nicht oft vor, aber sie kommen vor.

Ganz wichtig: Die Angehörigen des verstorbenen Kollegen werden in die Betreuung immer mit einbezogen, denn auch sie dürfen bei all der Tragik nicht vergessen werden!

Bereits in der Ausbildung, und dass ist meiner Meinung nach essenziell, werden bereits auf die Themen Tod / Sterben, Stressbewältigung und potentiell belastende Einsatzgeschehen entsprechend eingegangen. Natürlich ist die Realität eine andere, aber es hilft, wenn man seine Gedanken zu den Themen austauschen kann.

Polizisten werden nicht nur mit Tod und Sterben konfrontiert, sondern auch sehr oft z.B. mit schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern oder extremer Gewalt in Familien.
Allerdings muss beachtet werden, dass noch einige verbesserungswürdige Punkte, aus meiner Sicht und der Sicht der Befragten, existieren, vor allem im Hinblick auf finanzielle und personelle Ressourcen, da die oben genannten Stellen immer mehr in Anspruch genommen werden. Das heißt nicht nur im Bereich Trauerverarbeitung, sondern auch besonders bei psychosozialen Themen wie Mobbing in der Dienstgruppe / Klasse, traumatischen Erlebnissen oder familiären Problemen, da diese den Dienst eines Beamten enorm beeinflussen können.

Außerdem könnte man noch mehr Fortbildungen für Führungskräfte, Dienstunterrichte oder Vorträge zu diesen Themen anbieten, um die Polizeibeamten zu sensibilisieren und mental zu stärken.

Abschließend konnte ich meine zentrale Frage, die ich mir am Anfang meiner Facharbeit gestellt habe, ob es genug Unterstützung gibt, definitiv bejahen, auch wenn an der ein oder anderen Stelle Verbesserungspotenzial vorhanden ist.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar persönliche Worte loswerden:

Polizisten sind am Ende des Tages auch nur Menschen, die Familien haben, die ein Leben haben. Niemand ist unverwundbar, weder psychisch noch physisch, egal ob Polizist oder nicht. Auch Polizisten dürfen offen trauern, das macht sie noch lange nicht zu schwachen Menschen.

Nach wie vor ist die psychische Gesundheit für viele ein Tabuthema, doch es müsste noch mehr, viel mehr, darauf aufmerksam gemacht werden.

Gedenken wir heute allen Polizisten und Polizistinnen, die egal wo und egal auf welche tragische Weise verstorben sind, nicht vergessen werden und immer einen Platz in den Gedanken ihrer Kollegen haben.
Meine herzlichste Anteilnahme an alle betroffenen Kollegen und Kolleginnen, ihr seid nicht allein!

Liebe Grüße, Tamara, POWin

#FallenOfficers #unvergessen ⚫🔵⚫