Gedanken beim Einsatz in Erftstadt: Was seid ihr für Menschen?

24. Juli 2021 um 19:54

Gedanken beim Einsatz in Erftstadt: Was seid ihr für Menschen?

„Ihr kommt nicht um zu helfen, um mit anzupacken. Ihr kommt nicht um Geld, Sachgüter oder Trost zu spenden. Ihr kommt um zu GAFFEN.

Mit Euren Autos versperrt ihr dringend benötigte Rettungs- und Zufahrtswege. Ihr steht mitten auf der Fahrbahn, auf Gehwegen, Grünstreifen, auf Verkehrsinseln und auch gern mitten vor der Absperrung auf der Straße, Hauptsache nah dran! Denn wer möchte schon weit laufen, wenn er extra den ganzen Weg angereist kommt zum Gaffen. Hauptsache Ihr bleibt in Eurer Komfortzone.

Wir, die helfen wollen, Feuerwehr, Polizei, THW, Bundeswehr und alle anderen Rettungs- und Hilfskräfte, wir kommen nicht durch. Wir müssen uns im Schritttempo durch völlig verstopfte Straßen drängen, verlieren wertvolle Zeit.

Weil Ihr möglichst nah an die Katastrophe heranfahren wollt.
Weil Ihr in Euren Sommerkleidchen, kurzen Hosen und Flipflops händchenhaltend durch die Katastrophe flaniert und Bilder schießt, als wäre es ein schöner Familientag im Zoo.
Weil Ihr mit Eurer Sensationsgier und Eurem Katastrohentourismus, die bereits schwierige Verkehrslage weiter verschlimmert.

Ihr kommt um Euch am Leid der Menschen, die alles verloren haben und an der Zerstörung zu ergötzen.

Was seid Ihr für Menschen?

Ich kann Euch weder als (Gott sei Dank nur leicht) Betroffene der Überflutungen, als Polizistin, noch als Mensch verstehen. Schämt Euch. Alle Hilfs- und Rettungskräfte arbeiten am Limit, stundenlang. Und ihr behindert uns, steht im Weg, klettert über Absperrungen und regt Euch noch auf, wenn wir mit lauter Sirene nah an Euch vorbei fahren.

Was seid Ihr für Menschen???

Eine Polizistin der Wache Kerpen/Erftstadt“