Auf ein Wort: Ist es die Gesellschaft noch wert, dass ich für diese, Tag für Tag, meinen Kopf hin halte?

13. August 2021 um 20:05

Auf ein Wort: Ist es die Gesellschaft noch wert, dass ich für diese, Tag für Tag, meinen Kopf hin halte?Zählt es denn nichts, dass ich, um den Bürger zu schützen, in meinen jetzt 33 Jahren als Polizist „auf der Straße“ so viele Verletzungen hingenommen habe?

Habe ich diese Verletzungen, bei denen fast alles dabei war, von leichten bis starken Prellungen, über Abschürfungen und Hämatome, über Gehirnerschütterungen und starken Knieverletzungen die operativ behandelt werden mussten, bis hin zu Verbrennungen, völlig umsonst in Kauf genommen, um andere zu beschützen?

Habe ich all die Beleidigungen, Verunglimpfungen und Bedrohungen, ja, selbst die Tötung meiner Familie wurde mir mehrfach angedroht und die Vergewaltigung meiner Frau und Kinder vor meinen Augen (ich habe keine Kinder), völlig umsonst hingenommen?

Ich wurde als Dreckschwein, als Sau, als Mörder, als Nazi, als Sozendrecksau, als Wichser bezeichnet und vieles anderes.
Ich wurde bespuckt, mit Fäkalien beworfen, mit Gehwegplatten von Häusern und Brücken aus beworfen und man versuchte mich mittels unter Strom gesetzter Metallgeländer zu verletzen, vielleicht ja auch zu töten.

Obwohl ich keine Kinder habe, wünschte man mir sogar, dass ich nach Hause kommen solle und dort meine Kinder ermordet und zerstückelt auffinden soll.

Zählt es nicht, dass ich, zusammen mit Kollegen und Kolleginnen, Menschen das Leben gerettet habe, indem wir sie reanimierten oder wir sie aus dem Gleisbett von Schnellfahrstrecken holten?

Habe ich all das getan und über mich ergehen lassen, um mich jetzt von Menschen pauschal beleidigen zu lassen, ich sei ein Büttel der Regierung, ein Scherge des Regimes und der Söldner und Schläger der Regierung?

Und diese Beleidigungen soll ich mir von Menschen gefallen lassen die meinen damit Grundrechte wahrzunehmen, obwohl sie überhaupt kein Verständnis vom Grundgesetz haben und dieses lediglich egoistisch für sich auslegen?

NEIN! Das habe weder ich noch die vielen Kollegen und Kolleginnen verdient, die genau wie ich Vorgenanntes erlebt haben.

Wenn ich an die Demos denke, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richten, dann ist bei mir eine Grenze erreicht.

Wenn es um Demos des linksradikalen Spektrums geht erwarte ich gar nichts anderes als Gewalt und Verunglimpfungen gegen die Einsatzkräfte, denn da weiß ich, dass diese Leute unser System ablehnen.

Aber wenn sich da Leute versammeln, die behaupten sie würden da für Freiheit und Demokratie stehen aber gleichzeitig genau das Verhalten zeigen, welches ich aus unzähligen Einsätzen bei linksradikalen Demos kenne, dann endet bei mir alles.

Was den Einsatzkräften, unter Vorgaukelung von Meinungsfreiheit, entgegen schlägt ist pervers. Damit meine ich gar nicht nur die physischen Angriffe, sondern auch die tiefen Beleidigungen und Verunglimpfungen. Da wird mir nur noch übel.

Das ist Psychoterror, das Entmenschlichen der Polizisten und Polizistinnen.

Das soll die Gesellschaft sein?Das wollen Kämpfer für Freiheit, Grundrecht und Meinungsfreiheit sein?Diese Leute sind alles, nur nicht das.

Und was noch betrüblicher ist, dass da so viele den gut organisierten Leuten hinterher rennen, die alles andere als Freiheit und Grundgesetz im Fokus haben, sondern nur eines und das ist die Spaltung und Destabilisierung der Gesellschaft.

Und wenn diesen Leuten dann Menschen hinterher laufen, die fast im Alter meiner Eltern sind, dann macht das einfach nur noch traurig.

Was diese Menschen nicht begreifen ist, dass das Grundgesetz und die Grundrechte für alle gelten und dann für den einzelnen auch nur so weit, bis ein anderer in seinen Rechten verletzt/gestört wird. Nichts ist jedoch von dieser Haltung bei den Teilnehmern erkennbar. Für diese zählt lediglich die egoistische Wahrnehmung der Grundrechte.

Und dann wollen diese Leute vorgaukeln dort für alle zu stehen, für Demokratie und Freiheit und schreien dazu noch, dass sie das Volk sind? Das Ganze ist nur noch zum heulen ob dieser „Blindheit“.

Nein, dort steht nicht das Volk, denn es ist nur ein verschwindend geringer Teil dessen. Und dieser Satz zeigt mir dann auch, dass ich noch bereit bin auch weiterhin meinen Dienst am Volk zu leisten, da ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass wir als Gesellschaft auch das überdauern.

Aber wenn das vorgenannte die Gesellschaft sein soll, dann muss dafür kein Polizist mehr seinen Kopf hinhalten, denn dann ist das nicht mehr die Gesellschaft für deren Schutz alle Polizisten einmal einen Eid geleistet haben.