Gedanken von Kati: An die Angehörigen und Freunde der Helfer der Hochwasserkatastrophe

19. September 2021 um 19:30

Gedanken von Kati: An die Angehörigen und Freunde der Helfer der HochwasserkatastropheWir haben schon einige Beiträge aus den Gebieten der Flutkatastrophe gepostet und diese hatten immer Polizeibezug. Die folgenden Gedanken von Kati, einer freiwilligen Helferin, die aus einer Blaulichtfamilie stammt und der damit das Helfen wohl im Blut liegt, können auf jeden Helfer und dessen persönliches Umfeld zutreffen, egal ob freiwillig oder dienstlich:

„Bitte seid nachsichtig mit uns, wenn wir von unseren Einsätzen wieder nach Hause kommen, wenn wir kaum mit Euch über das erlebte sprechen, wenn wir sagen, wir brauchen keinen Seelsorger oder o.ä. Hilfe um zu verarbeiten, wenn wir vielleicht in manchen Situationen gereizt auf Eure Ansprachen reagieren, wenn wir Euch zuhören aber nicht wirklich hören was ihr uns zu sagen habt, wenn wir weinen und Euch den Grund nicht nennen, wenn wir auf Eure WhatsApp Nachrichten zeitverzögert beantworten oder auch manchmal gar nicht, wenn wir uns am Tag, an dem wir nach Hause kommen, sofort für den nächsten Einsatz vorbereiten, wenn wir stundenlang telefonieren, organisieren wo wir als nächstes hinfahren, wenn wir spät ins Bett gehen, obwohl wir müde sind, wenn wir Zuhause unser Umfeld ausblenden, weil wir in unserer eigenen Welt sind, wenn Ihr uns während unseres Einsatzes anruft, um Euch zu erkundigen wie es uns geht oder ihr einfach etwas mitteilen wollt und wir Euch am Telefon kurze und knappe Antwort entgegen bringen, wenn wir Euch erzählen, dass wir am liebsten bei der Abreise vom Einsatzort nicht nach Hause wollen, wenn wir auf der Autobahn am liebsten wieder umdrehen wollen und weiter helfen möchten…

Wenn wir vielleicht lieber mit fremden Menschen sprechen als mit Euch, weil wir Euch nicht belasten möchten…

Dann seid nicht böse auf uns, wir lieben Euch trotzdem und sind auch für Euch da, aber wir wissen, dass Daheim alles in Ordnung ist und wir in dem Moment ’nicht gebraucht werden‘ mit unserer Stärke und Hilfe, denn wir wissen, dass es Menschen gibt, die ‚uns‘ im Moment mehr brauchen, als alles andere, sie verlassen sich auf uns, sie vertrauen uns ihr wenig Hab und Gut an, lassen uns in ihr zerstörtes Zuhause, lassen uns in ihre zerstörte Seele blicken und hoffen dabei, dass sie von uns gehört werden…

Wir wissen, dass wir bei Euch Daheim gut aufgehoben sind, dass wir mit Euch sprechen können und Ihr versucht uns aufzufangen, aber wir möchten am liebsten in dem Moment, wo wir ein Wochenende Daheim sind sofort wieder unsere Taschen packen und wieder los fahren…

Es wird wieder Zeiten geben, an denen wir wieder Zuhause sind und die Zeit, die wir haben, mit schönen Dingen und mit Euch verbringen, fest versprochen ♥️
Aber zurzeit befinden wir uns Zuhause am falschen Ort, zur falschen Zeit und dennoch denken wir an Euch und sind dankbar, dass es Euch gibt ❤️

Aber wir wissen, dass wir noch mehr bewegen können, bis wir irgendwann spüren, jetzt ist unsere Hilfe beendet und wir versuchen in unseren Alltag zurück zu kehren, obwohl wir jetzt schon wissen, es wird nie wieder so werden wie es mal war…“