Wiederholte Menschenverachtung: Rostocker Fußballfans verhöhnen verstorbenen Hamburger Polizisten

19. Oktober 2021 um 18:56

Vergangene Woche berichteten wir euch davon, dass ein Hamburger Polizist, der sich in Mecklenburg-Vorpommern befand, nach einem Belastungstest viel zu jung verstarb. Er wurde nur 24 Jahre alt.

Am vergangenen Sonntag fand die Fußballbegegnung FC Hansa Rostock gegen SV Sandhausen im Rostocker Ostseestadion statt. Während des Spiels entrollten Fans ein Transparent, auf dem zu lesen war: „Einer weniger, ACAB!“ (ACAB = All Cops Are Bastards/Alle Polizisten sind Bastarde).

Der Bezug zum verstorbenen Hamburger Kollegen muss hier nicht konstruiert werden, er ist offensichtlich. Dieser Vorfall sorgte für Aufsehen, sowohl im Sport, als auch bei Politikern und Polizisten. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Torsten Renz bezeichnete den Vorfall als „schlichtweg unfassbar, pietätlos und menschenverachtend“. Außerdem fordert Renz:

„In diesem Zusammenhang reichen Distanzierungen und Entschuldigungen des Vereins nicht mehr aus. Ich erwarte, dass die Vereinsverantwortlichen mit aller Konsequenz Einfluss darauf nehmen, dass solche herabwürdigenden Banner gar nicht erst ins Stadion gelangen können.“

 

Diesen Worten kann man sich nur anschließen, kennt sich Hansa Rostock doch mit diesem Themenfeld aus. Bereits 2018, ebenfalls im Oktober, hatten Rostocker Fans bei der Partie gegen den SC Fortuna Köln ein Spruchband enthüllt, auf dem zu lesen war: „Kennzeichnungspflicht für Silvio Bamberg“.

Silvio Bamberg war ein Polizist, der einige Wochen zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Auch hier war die Empörung groß. Heute, wie damals, hatte sich der Verein von einer solchen Menschenverachtung distanziert. Darüber hinaus wurden offenbar keine Konsequenzen gezogen und ob die Anzeige wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener damals zu einer Verurteilung führte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Auch wenn der DFB nun gegen Hansa Rostock ermittelt, dürften die Folgen für den Verein wohl eher als geringfügig erwartet werden. Es müsste im Interesse des Vereins selbst und der übrigen Fans, die diesen Spruch ebenfalls verurteilen, liegen, dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Dazu gehören vernünftige Kontrollen im Vorfeld der Spiele und eine offene Distanzierung der übrigen Fans von diesen wenigen „Fans“, denen Menschenverachtung mehr wert ist als der Sport selbst und die ansonsten so gepriesene Fankultur.

 

Wir möchten uns nicht ausmalen, wie sich die Angehörigen und Kollegen des Verstorbenen angesichts eines solch menschenverachtenden Banners fühlen. Wir sind in Gedanken weiter bei ihnen und stehen bei ihrer Trauer an ihrer Seite.