Leserbrief von Jürgen: Anerkennung meiner PTBS: “Wenn sie was von uns wollen müssen sie klagen.”

13. März 2020 um 18:34

Leserbrief von Jürgen: Anerkennung meiner PTBS: "Wenn sie was von uns wollen müssen sie klagen."Vorgestern haben wir euch in einem Beitrag Kollege Ernst Kappel vorgestellt, der nach dem Amoklauf in Winnenden zur Identifizierung der Toten eingesetzt war und danach traumatisiert war. Er musste für die Anerkennung seiner posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) jahrelang klagen. Hierzu erhielten wir die folgende Zuschrift von Jürgen:

“Ich kenne den Kollegen Kappel persönlich und durfte ein paar Jahre mit ihm dienen! Ich wurde ebenfalls nach dem Festellen einer PTBS, welche ich vor 26 Jahren nach einem versuchten Tötungsdelikt an mir, erlitten habe, 2016 ausgemustert.

Originalton Polizeiarzt: ‘Wenn sie was von uns wollen müssen sie klagen!’

Im Einsatz angegriffen: Ordnungspolizist muss (bislang vergeblich) um Anerkennung der PTBS kämpfen und erhält Unterstützung durch Hilfe für Helfer e.V.

29. März 2018 um 20:34

Im Einsatz angegriffen: Ordnungspolizist muss (bislang vergeblich) um Anerkennung der PTBS kämpfen und erhält Unterstützung durch Hilfe für Helfer e.V.

Bild: Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung der Polizei Hessen

Das Schicksal von Christian Rinker-Stenger (zweiter von rechts auf dem Bild) lässt sich eigentlich kaum mit Worten beschreiben. Wenn Polizisten zu Opfern werden und in den Mühlen der Bürokratie ein weiteres Mal in die Opferrolle gedrängt werden. Und das gilt nicht nur für die (verbeamteten) Polizisten, sondern auch für alle (angestellten) Wach-, Stadt- und Ordnungspolizisten.

Christian, dreifacher Familienvater, wurde 2004 zu einer häuslichen Gewalt gerufen. Bei der Feststellung der Identität wurde er unvermittelt von dem Beschuldigten angegriffen. Dabei ging Christian zu Boden und erlitt einen Genickbruch.

Im Jahr 2009 wechselte der Kollege zur Ordnungspolizei in Herborn (Hessen). Dort kam es leider zu einem erneuten Angriff auf ihn. Im Jahr 2017 führte er Geschwindigkeitskontrollen in der Ortschaft Sinn durch. Ein ertappter Fahrer war mit der Maßnahme nicht einverstanden, griff Christian an und versuchte ihn zu überfahren. Nur eine Rolle zur Seite hatte sein Leben retten können.

PTBS: Polizei beteiligt sich an #22PushupChallenge

27. August 2016 um 12:06

Immer mehr Videos tauchen in den sozialen Netzwerken von Menschen auf die Liegestütze machen. Das liegt an einer neuen Challenge die unter dem Hashtag #22PushupChallenge läuft. Sie wurde von der Organisation Honor Courage Commitment (HCC), die sich für Kriegsveteranen in den USA einsetzt, ins Leben gerufen.

Das was auf den ersten Blick wie ein Fitnesstrend aussieht, ist jedoch ein sehr ernstes Thema. Denn im Durchschnitt nehmen sich täglich 22 Veteranen das Leben. Die HCC nahm dies zum Anlass, um über Posttraumatische Belastungsstörung und Anpassungsschwierigkeiten nach Kriegseinsätzen aufzuklären.

Diese Botschaft hat nun auch Deutschland erreicht. Doch warum beteiligt sich die Polizei daran?

Winnenden: Ein Polizist klagt an

11. März 2020 um 19:42

Der Amoklauf an der Realschule in Winnenden jährt sich heute zum elften Mal. Report München hat dazu gestern Abend in ihrer Ausgabe über einen Polizisten berichtet, der nach dem Polizeieinsatz seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte und der um seine Therapie und die Anerkennung seiner Erkrankung kämpfen musste.

Ernst Kappel bezeichnet sich selbst als “Vollblutbulle” und so hat er das, was er tun musste auch gerne gemacht. Es war halt sein Job. Dann kam Winnenden und sein Leben gerät aus den Fugen.

Es war seine Aufgabe die Leichen zu identifizieren, die Verletzungen der Toten zusammen mit Rechtsmedizinern zu dokumentieren. Danach war Kappel traumatisiert und meldet dem Dienstherrn, dass er Probleme hat, das Erlebte zu verarbeiten. Doch der hält sich zurück, Kappel fühlt sich hilflos und verloren.

Gedanken einer Polizistin: „Du musst Privates und Berufliches trennen“, sagten sie.

25. Oktober 2019 um 18:52

Gedanken einer Polizistin: „Du musst Privates und Berufliches trennen“, sagten sie.

So sieht die Realität aus:

Als ich vor ein paar Jahren den Polizeidienst begann, wagte ich nicht daran zu glauben, wie es heute ist. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meinen Job und ich habe auch kein Trauma oder sonst irgendwas erlebt. Ich glaube das, was ich hier beschreibe, ist etwas, dass viele Kolleginnen und Kollegen erleben, ohne jemals darüber zu sprechen.

Kritiker würden mit Sicherheit direkt von PTBS reden. Das muss aber ein Arzt beurteilen. Ich würde von mir selbst bei weitem nicht über PTBS reden.

ABER: Meine Erlebnisse beeinflussen mein Privatleben.

Gedanken einer Polizistin: Was es (für mich) bedeutet die Uniform zu tragen

22. Februar 2019 um 18:24

Gedanken einer Polizistin: Was es (für mich) bedeutet die Uniform zu tragen

“Wie fühlt es sich an. Uniform. Mit Hoheitsabzeichen am Arm. Mir fehlen hier kurz die Worte. Ich möchte vorweg sagen: das ist alles MEINE Empfindung. Ich weiß nicht wie es anderen geht, ich rede hier nur über meine eigenen Gedanken und Gefühle.

Als ich das erste Mal Uniform trug: Fremd. Komisch.

Habe ich alles richtig an? Was darf mit was kombiniert werden? Was jetzt normal und offensichtlich für mich ist, war damals echt kompliziert und wir hatten echt Schwierigkeiten, alleine herauszufinden, wie welche Uniform getragen wird. Leider wird das nur im mittleren Dienst richtig beigebracht. Bei uns an der Uni gibt es nur die Geschäftsanweisung, die sagt wie die Uniform getragen wird, aber beibringen müssen wir uns die selbst.
Die nächsten Tage Uniform (wohlgemerkt immer noch auf dem Polizeigelände): Zugehörigkeit. Plötzlich grüßte einen jeder und irgendwie freundlicher als davor – schwer zu beschreiben ob ich mir das nur einbilde. Zugehörig, weil man endlich ein Teil der Polizeifamilie war – jetzt eben auch optisch.

Ein Trauma ist nicht beendet, wenn die Schicht zu Ende geht

23. Oktober 2016 um 13:22

Ein Trauma ist nicht beendet, wenn die Schicht zu Ende gehtWir haben in den vergangenen Wochen und Monaten über viele schwierige Einsätze berichtet. Einsätze, die zumindest in Erinnerung der Einsatzkräfte bleiben, schlimmsten Falls werden sie die Erinnerungen und Emotionen daran aber nicht mehr los.

So stehen wir gerade auch mit einem Kollegen in Kontakt, der zum wiederholten Male im Dienst verletzt wurde. Zwar sind die Verletzungen nicht schwer und außer einer Narbe wird irgendwann vermutlich nicht viel übrig bleiben. Aber es gibt da noch eine andere Narbe: die auf der Seele.

Er berichtete uns von Alpträumen und Flashbacks, er hat Angst vor dem Einschlafen. Das kann zwar normal sein bei einem solchen Messerangriff, aber wenn es nach einigen Tagen bis Wochen nicht besser wird, sollte man professionelle Hilfe aufsuchen.

Deswegen gilt das folgende für diesen Kollegen, wie auch alle anderen, die mit einem Einsatz nicht fertig werden:

Unter PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) leiden vermutlich viele Einsatzkräfte. Lasst Euch bitte helfen!

Wenn Polizisten im Dienst verletzt werden und jahrelang um ihr Recht selbst kämpfen müssen

27. November 2015 um 22:55
Wenn Polizisten verletzt werden

Bild: Polizei via wa.de

Der Fall Klischat
Kein Einzelfall

Wenn Polizisten im Dienst verletzt werden, müssen sie weitestgehend selbst um ihr Recht kämpfen. Die strafrechtlichen Ermittlungen sind die eine Sache und laufen meist automatisch.

Wenn es aber um die Anerkennung um einen (qualifizierten) Dienstunfall geht, kämpft er oft mit der eigenen Behörde. Möchte er Schmerzensgeld, kämpft er gegen den Täter. Das alles kostet Geld und Kraft; Kraft, die wegen der dramatischen Eindrücke des Einsatzes oft kaum oder nicht vorhanden ist.

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