Auf Streife mit Lothar Riemer: Die Mär vom Knöllchen

20. September 2020 um 20:07

Auf Streife mit Lothar Riemer: Die Mär vom Knöllchen

“Nun kommt er also doch noch – der Tagesordnungspunkt ‘Verkehrsstatistik’. Inbrünstig hatte ich gehofft, der Kelch gehe an uns in der Dienstgruppenleiterbesprechung vorüber. Doch weit gefehlt. Da gibt es kein entrinnen.

Nun werden sie also präsentiert, die Zahlen der geahndeten Verkehrsverstöße. Wie Hagelkörner prasseln sie auf uns Schichtleiter nieder. Man kann gar nicht umhin, von ihnen getroffen zu werden. Wer hat wie viel und vor allem welche Verkehrsverstöße geahndet.

Meine Dienstgruppe ist einmal mehr weit vom Klassenprimus entfernt. Eigentlich möchte ich aufstehen und gehen. Was sagen solche Zahlen denn aus? Aber der Druck wird von ganz oben nach unten durchgereicht.

Katzenrettung der besonderen Art

16. August 2020 um 19:18

Es gibt Einsätze, an die erinnert man sich noch lange. Dazu zählt ganz sicher auch diese Geschichte, die unsere Kollegen jetzt am Wochenende erlebt haben…

“Wir haben einen Einsatz bekommen, weil jemand eine Katze in einer kleinen Tasche entsorgt hatte. Die Katze lebte noch, war aber verletzt. Wir sind dann mit ihr zur Feuerwehr gefahren und wollten sie dort der Tierrettung übergeben. Vor Ort wollten wir sie schnell aus der winzigen Tasche befreien und in eine größere Box der Feuerwehr packen.

Doch dabei ist die Katze entwischt, unter den Streifenwagen und von dort aus in den Motorraum geflohen. Dort hat sie sich so gut versteckt, dass wir sie nicht mehr rausbekommen haben. Ein Löschzug der Feuerwehr kam gerade von einem Einsatz zurück und so kamen uns diverse Feuerwehrleute zur Hilfe. Doch: Keine Chance, die Katze herauszubekommen!

Gedanken einer Polizistin: Wenn Gaffer sich selbst in Gefahr bringen

27. Juni 2020 um 19:34
Gedanken einer Polizistin: Wenn Gaffer sich selbst in Gefahr bringen

Foto mit freundlicher Genehmigung von Stephan F. F. Dinges

“Ich möchte von einem Einsatz erzählen, der mich absolut sprachlos gemacht hat.

Auf der Wache ging die Meldung ein, dass es zu einem Tötungsdelikt mittels Schusswaffe gekommen sei, der Täter befinde sich noch im Objekt.

Mein diensterfahrener Streifenpartner, der trotz der Meldung einen kühlen Kopf bewahrt hat, und ich, 24-jährige Polizeikommissarin, legten also schnellstens die Ausrüstung für lebensbedrohliche Einsatzlagen an, statteten uns mit Maschinenpistolen aus und begaben uns umgehend zur Einsatzörtlichkeit.

Einsatz hilflose Person: Opa auf Friedhof geschoben und Grab seiner verstorbenen Frau zurecht gemacht

14. Juni 2020 um 19:00

Einsatz hilflose Person: Opa auf Friedhof geschoben und Grab seiner verstorbenen Frau zurecht gemacht

“Hallo liebe Freunde.

Ich möchte euch eine Geschichte zu dem Foto erzählen.

Der 90-jährige Opi im Rollstuhl kann kaum mehr sehen, nicht hören und nicht sprechen. Passanten alarmierten die Polizei, weil der Opi mitten auf der Straße stand und man sich Sorgen machte. Als wir dort ankamen fiel uns die Kommunikation sehr schwer. Wir wussten nicht wo der Herr hingehört, jedoch zeigte er mit seinem Finger mehrfach in Richtung des Friedhofs. Ermittlungen bezüglich seines Wohnortes verliefen negativ. Kein Name, keine Verständigung, kein Hinweis. Nichts.

Erfahrungen einer Polizistin: Corona sorgt dafür, dass die Menschen durch ihre eigenen Gedanken verrückt werden

14. April 2020 um 18:37

Erfahrungen einer Polizistin: Corona sorgt dafür, dass die Menschen durch ihre eigenen Gedanken verrückt werden

” ➖ Die drehen alle durch

Jeder von uns, alle Polizistinnen und Polizisten, erleben es gerade. Manche mehr und manche weniger. Ich weiß nicht, ob es überall so ist, aber in Berlin fangen die Menschen an, durchzudrehen.

Die Frage ist, wieso?

Ich beobachte in Dienst folgendes: natürlich haben die Läden zu – mit Ausnahme von XYZ. Eigentlich hat gefühlt alles geöffnet, außer offensichtliche Läden, wie Klamottengeschäffte, Shisha Bars und Cafés. Die Straßen sind etwas leerer als vorher, denn viele sind im Home Office. Viele nennen es auch ‘bezahlter Urlaub’. Für viele ist es schön zuhause zu sein, für andere (die mit Kindern Daheim oder die, die aufgrund von Arbeitslosigkeit nun zuhause sein müssen) ist es die Hölle.

Gedanken eines Polizisten: Trotz Kontaktverbot nehmen es einige in Kauf, sich, andere und uns zu gefährden

26. März 2020 um 19:26

Gedanken eines Polizisten: Trotz Kontaktverbot nehmen es einige in Kauf, sich, andere und uns zu gefährden

Hallo an alle die dies nun lesen mögen.

Ich bin Polizist in Nordrhein-Westfalen. Welche Dienststelle ich nunmehr fast täglich aufsuche spielt keine Rolle, da es denke ich vielen, wenn nicht sogar allen Kollegen und Kolleginnen, gleich ergeht.

Seit Anfang diesen Jahres ist bekannt, dass sich der Coronavirus stark und rasant verbreitet hat und wir sogar einen Aufruf der Bundeskanzlerin verfolgen konnten. In diesem Aufruf wird an die Menschlichkeit appelliert. Soweit so gut.

Kommen wir zu dem täglichen Dienstgeschehen, welches auf den Straßen unverändert vonstatten geht.

Lkw rammt Streifenwagen: Warum halten sich die Leute nicht an die Verkehrsregeln?!

24. Februar 2020 um 21:07

Lkw rammt Streifenwagen: Warum halten sich die Leute nicht an die Verkehrsregeln?!

Das Bild stammt von der Autorin.

In der vergangenen Nacht kam es zu einem Lkw-Unfall auf der A8 bei Pforzheim, den eine Streife der Autobahnpolizei absicherte. Hiernach rammte ein weiterer Lkw den absichernden Streifenwagen und verletzte zwei Polizisten. Hierzu haben wir die folgende Zuschrift einer Kollegin erhalten:

“⛔ES REICHT⛔ MOVE OVER ⛔

Heute Nacht gab es einen Verkehrsunfall zwischen einem Sattelzug und einem Streifenwagen. Die Streife sperrte zwei von drei Fahrstreifen, da diese durch einen anderen Unfall auf der Gegenseite verunreinigt waren. Eine Kollegin wurde verletzt.

WAS ist bitte so schwer daran, als Verkehrsteilnehmer, sein Hirn einzuschalten? Blaues oder gelbes Blinklicht heißt: GESCHWINDIGKEIT REDUZIEREN! Wir stellen uns NICHT aus Langeweile auf die Fahrbahn!

Mit den Kollegen auf Streife: Was mich zu Tränen rührt

10. Januar 2020 um 19:34

Mit den Kollegen auf Streife: Was mich zu Tränen rührt

“Ich muss euch mal was schreiben, was mich heute tief im Dienst bewegt hat.

Ich, seit 36 Jahren im Polizeidienst, stand mit meiner etwas jüngeren Kollegin auf einem Parkplatz in der Nähe zur Hauptstadt. Wir haben uns eine Zigarette gegönnt, in der Hoffnung nicht gleich wieder von irgend jemand angesprochen zu werden, warum er das letzte Knöllchen erhalten habe.

Eine polizeiliche Weihnachtsgeschichte: Ehre ist mehr als nur ein Wort

24. Dezember 2019 um 18:17

Eine polizeiliche Weihnachtsgeschichte: Ehre ist mehr als nur ein WortAls ich im Jahre 1974 ins Police Department eintrat, wusste ich, dass meine Familie bei vielen Festen allein sein würde. Obwohl mir das klar war, machte es die Sache nicht einfacher. Die verpassten Feiern machten mich in den ersten Jahren depressiv und manchmal wurde ich richtig verbittert. Arbeiten an Weihnachten, dass war immer am Schlimmsten.

Am Weihnachtsabend des Jahres 1977 lernte ich jedoch, dass ein Unglück auch mit Segen verbunden sein kann und dass Ehre mehr ist als nur ein Wort.

Ich fuhr gerade meine Solostreife von 16:00 bis 24:00 Uhr und die Nacht war bitterkalt. Überall wohin ich sah, wurde ich an Weihnacht erinnert. Familien packten ihre Fahrzeuge mit Weihnachtsgeschenken. Wundervoll dekorierte Weihnachtsbäume leuchteten aus den Wohnzimmern und die Dachrinnen waren mit kleinen Lichtern beleuchtet. Das alles verstärkte noch meine Feiertagsaversion.

Auf Streife mit Lothar Riemer: Der Schulranzen

24. November 2019 um 18:53

Auf Streife mit Lothar Riemer: Der Schulranzen

“Nieselregen, es dämmert schon – der Herbst von seiner hässlichsten Seite. Die Nachmittagsschicht plätschert dahin. Mein Partner und ich verbreiten Sicherheit in unserem Münchner Revierbereich und fahren einfach so dahin.

Aus dem Augenwinkel, gerade so im Vorbeihuschen, sehe ich ein kleines Mädchen am Straßenrand stehen. Vermutlich war es eher der große Schulranzen, der mir reflektierend auffällt.
‘Halt doch mal an und dreh um. Mit dem kleinen Kind stimmt irgendetwas nicht’, sage ich zu Martin. Schnell wird gewendet und schon kommen wir auf Höhe des Mädchens zum Stehen.

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