Gedanken eines Polizisten

21. Dezember 2015 um 19:26 Uhr

Gedanken eines Polizisten

Ich lese Eure Seite seit einiger Zeit, anfänglich mit etwas Skepsis, weil es einfach zu viele Seiten gibt, die meinen in irgendeiner Form ein “politisches” Statement oder eine Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppe darstellen zu müssen oder zu wollen, wo viel geschrieben wird aber letztendlich wenig Inhalt ist.

Bei Euch bin ich insofern positiv überrascht worden, als dass Eure “Berichterstattung” doch sehr neutral und “qualifiziert” ist und immer noch jeder sich seine eigene Meinung zu dem Geschriebenen bilden kann.

Auch die “Kunden” dieser Seite laufen nur seltenst aus dem Ruder was für eine hohe Qualität spricht, denn wo die “Führung” sich in gewissem Rahmen bewegt, zeigt die Erfahrung, dass es die Follower auch so zu tun pflegen.

Weswegen ich Euch aber schreibe ist, dass ich – der ich mittlerweile auch seit über 20 Jahren diesen Job versehe, seit einiger Zeit schon darüber nachdenke, ob ich Euch auch mal ein paar Zeilen aus meinem Alltag und/oder meinem Kopf schreiben sollte.

Dienst, immer gleich und doch immer wieder anders

21. Dezember 2015 um 17:51 Uhr

Dienst immer gleichGerade jetzt in dieser dunklen Jahreszeit kommt es öfters zu Einsätzen die Fingerspitzengefühl erfordern. Bei der die menschliche Seite mehr gefordert wird, als die polizeiliche.

Jahreszeit bedingt geschehen mehr Unfälle durch unangepasste Fahrweise, aber viele Menschen sind jetzt auch deprimierter und einsamer, zumindest fühlt es sich so für sie an.

So kommt es zu Vorfällen bei denen Menschen ihre suizidalen Gedanken äußern, Androhungen durchgeben, Drogen unkontrolliert zu sich nehmen und Hilfe suchen. Einige greifen zum Telefon und wählen den Notruf der Polizei, als Hilferuf oder auch weil sie Angst haben und nicht alleine sterben wollen.

In anderen Situationen legen sie es auf einen Suicide by Cop an. In den meisten Fällen muss in aller Kürze sehr besonnen und bedacht gehandelt werden. Oft mit dem Risiko sich teilweise selbst in Gefahr zu bringen bzw. mitten in der Gefahr zu sein.

Adrenalin, das in Sekunden von 0 auf 100 ist, jeder unüberlegte Schritt kann ein Fehler sein. Hier kann man als Polizist/in noch so gut darauf vorbereitet und geschult worden sein, die Lage ist doch immer eine andere.

Das gegenüber kann anderes reagieren und sich anderes verhalten. Selbst wenn man den Suizid verhindern konnte, bleibt ein gewisses Maß an Zweifel zurück. Solche Vorfälle können manchmal noch sehr lange im Gedächtnis und im Gefühlsleben bleiben.

Darüber reden und es mit Kollegen verarbeiten ist oft nicht möglich, da der Dienst weiter geht. Meist wartet der nächste Fall schon und nach Dienstschluss ist jeder froh und tritt seinen nach Hause weg an. Die Beamten, die einen Suizid verhindert haben oder auch manchmal zu spät kamen, fahren mit ihren Gedanken oft alleine nach Hause.

Dort ankommen, kommen auch diese Gedanken an das Erlebte wieder zurück. Jetzt wäre es wichtig, wenn jemand zuhören könnte und hilft, das Geschehene zu verarbeiten. Manchmal ist es auch Hilfreich einen andere Sichtweise zu bekommen.

Leben die Beamten jedoch alleine, müssen sie Wege finden um damit klar zu kommen. Manchmal verändern sie sich und manchmal merken die Kollegen nichts oder können es gar nicht bemerken. Sie rechnen nicht damit, dass der Kollege oder die Kollegin nicht damit zurecht kommt. So kann es passieren, das er/sie ein Leben gerettet hat und ihre eigenes jetzt ins Wanken geraten ist.

Gerade jetzt und in dieser dunklen Jahreszeit ist das Menschliche auch unter den Kollegen gefragt. Das Miteinander und auch mal nach Feierabend noch ein Gespräch führen, ansprechen, womit man sich beschäftigt, kann für viele Hilfreich sein.

Ein Miteinander, dass eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber immer seltener selbstverständlich ist. Denn Machtkämpfe und Ruhm wegen Beförderungen werden groß geschrieben.

Ist Mobbing auf Dienststellen und sogar schon während der Ausbildung Alltag geworden? Und das in einem Beruf, der eh schon vollen Einsatz fordert und oft an die Grenzen der Menschlichkeit geht.

Hier sind nun öfters die Familien zu Hause gefordert und sie leisten, oder versuchen, Hilfe und Unterstützung zu leisten. Doch die ist manchmal auch nur begrenzt möglich.

Also könnte man abschließend feststellen, dass jeder mithelfen kann. Die Zeiten haben sich geändert und die Menschen sind egoistischer geworden. Doch ist es immer noch so, dass sich miteinander und gemeinsam viel besser Probleme lösen lassen und schlimmeres verhindern werden kann.

Bereitschaftspolizei

16. Dezember 2015 um 22:19 Uhr

Bereitschaftspolizei
von Thorsten Trautmann, Polizei-Poeten

Wenn Steine und Flaschen über euren Köpfen fliegen,
Die Chaoten wieder über die Bürgerlichen siegen,
Wenn zähes Blut eure Stiefel umgibt,
Dann fragt ihr euch, warum ihr diesen Beruf liebt.

Wenn vermummte Gestalten gegen eure Reihen anrennen,
Als Barrieren gegen euch fremde Autos verbrennen,
Wenn Gewalt zur Freizeitbeschäftigung gerät,
Dann fragt ihr euch, wer noch hinter euch steht.

Wenn die Medien eure Arbeit verurteilen,
Weil ihre Blicke immer nur auf euch weilen,
Wenn ihr wieder um euer Leben kämpfen müsst,
Wisst ihr, dass die Regierung euch vergisst.

Wenn jedes Wochenende im Krieg versinkt,
Und eure Mahnung ungehört verklingt,
Wenn die Straßen wieder voller Revoluzzer sind,
Dann ist Justizia wieder wirklich blind.

Diese Zeilen hat Kollege Trautmann, wie er selbst zugibt, unter dem Eindruck der Einsätze im Februar 2010 in Dresden geschrieben. Und diese Einsätze von damals ähneln den aktuellen Geschehnissen (Leipzig, Heidenau, Weinheim, Frankfurt…) auf frappierende Weise.

Abschiebung – Eine Bundespolizistin vom Flughafen Berlin Schönefeld gibt Einblick

15. Dezember 2015 um 21:16 Uhr

Abschiebung

Bild: Markus Wächter via weser-kurier.de

Abschiebung, ein Wort, das für die Betroffenen Endgültigkeit bringt und die schriftliche Ablehnung als Maßnahme vor Augen führt. Eine Zwangsmaßnahme. Im Behördendeutsch heißt Abschiebung “Rückführung”. Das klingt netter, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Betroffenen zurück müssen; zurück in das Land, aus dem sie geflohen sind.

Wie auch bei der Ankunft in Deutschland kümmert sich die Bundespolizei um diejenigen, die offiziell kein Bleiberecht in Deutschland bekommen. Die Polizisten, die sich um die Rückführung kümmern, heißen Personenbegleiter Luft (PBL).

Die 29jährige Bundespolizistin Kristin Imken, die ihren Dienst auf dem Flughafen Berlin Schönefeld versieht, gab dem Weser Kurier einen sehr persönlichen Einblick in ihre Arbeit als PBL. Ihr Name wurde von der Redaktion geändert.

GeDANKEn!!!

6. Dezember 2015 um 21:27 Uhr

GeDANKEn

Seit einigen Monaten verbringen wir den größten Teil unseres Lebens an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland im Großraum Passau. 9 Tage arbeiten, 5 Tage frei, das ist unser Lebensrhythmus. Und in 9 Tagen fern von der Heimat hat man viel Zeit um sich Gedanken zu machen!!! (An alle die später Argumentieren und Kommentieren, “das habt ihr euch so ausgesucht, sucht euch nen anderen Job” JA ihr habt Recht)

Zum eigentlichen GeDANKEn dieses Textes!

Fuchs, du hast die Gans gestohlen

6. Dezember 2015 um 21:20 Uhr

Fuchs und GansEin Kollege aus dem Harz hatte heute folgendes Erlebnis, von dem er uns berichten möchte:

“Heute Morgen ging im Harz folgender Notruf ein: “Gans soll gestohlen worden sein. Beschreibung zum Täter liegt vor, rotes Fell und buschiger Schwanz.”

Verdächtiger konnte in Tatortnähe angetroffen werden, gab sich jedoch ahnungslos. Lichtbilder wurden gefertigt. Anschließend wurde der Verdächtige vor Ort aus der Maßnahme entlassen.

Allen noch einen schönen Sonntag und viele Grüße aus dem Harz.”

Leserbrief einer Polizistin Alkoholkontrolle: Um das Erwischen geht es nicht

6. Dezember 2015 um 19:06 Uhr

Leserbrief Alkoholkontrolle

An einem Samstag hatte ich mit meiner Dienstabteilung Nachtschicht und es fing als eine relativ ruhige Nacht an. Als mein Kollege und ich ganz normal auf Streife waren, fiel uns ein Fahrzeug auf, das die Verkehrsregeln in keiner Weise beachtete.

Kein Blinken, Schlangenlinien, Geschwindigkeitsschwankungen. Als der Fahrer bei der Kontrolle die Autotür öffnet, können wir den Alkohol schon riechen. Der Fahrer verweigert den freiwilligen Atemalkoholtest, sodass wir ihm erklärten, dass wir ihn zu einer Blutentnahme mit auf die Wache nehmen müssten.

Flüchtlinge… Uniformierte… MENSCHen…

3. Dezember 2015 um 0:34 Uhr

Massenmigration11Ein Thema, das viele beschäftigt – Menschen, mit denen freiwillige Helfer, HiOrgs, Soldaten und Polizisten zu tun haben; diesseits und jenseits der Grenzen.

Ängste, die entstehen, vor den vielen Fremden, vor Kriminalität, vor Überforderung. Hass der von manchen geschürt und gezielt genutzt wird, Hetze im Internet und in den Köpfen.

Uns erreichten nun diese Fotos von einem Kollegen, der dort war. Süd-Bayern, die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die an der Grenze aufgegriffen werden. Auch wenn Begriffe wie “Massenmigration” und “Bearbeitungsstraße” wenig menschliches vermuten lassen, passiert hier doch überMENSCHliches.

funktionieren

30. November 2015 um 23:48 Uhr

funktionierenvon Wolfang

Wir haben von Kollege Wolfgang diese nachdenklich machenden Zeilen erhalten und möchten es im Auge des Betrachters belassen, diese zu interpretieren:

Zu viele tote Körper gesehen … in Kinderbetten, Autos und Wohnzimmern, mit schreienden Angehörigen…

Zu viele Familienstreitigkeiten geschlichtet …mit weinenden Kindern, die mit verängstigten Augen Hilfe bei dir suchen…

Zu viele Schlägereien erlebt …bei denen immer öfter nicht nur geschlagen, sondern auch gegen den Kopf getreten wurde…

Zu viele Beleidigungen geschluckt …durch Worte, Gesten und Spucke, herabgewürdigt, der Würde beraubt…

Zu viele schlaflose Nächte durchlebt …mit seelischen und körperlichen Defekten, die man nicht außen zeigt und in sich hineinfrisst…

Zu viel … einfach zu viel von alledem, um immer noch normal funktionieren zu können, im Alltag des täglichen Wahnsinns…

Wir sagen: Herzlichen Dank!

27. November 2015 um 21:49 Uhr

Wir sagen Danke!Wir haben nach den Anschlägen in Paris und dem jähen Abbruch des Fußballländerspiels in Hannover viele Dankesschreiben bekommen. Sei es als Persönliche Nachricht an die Seite, als Beitrag in der Seitenleiste, als Kommentar oder per Email.

Wie uns Kollegen/innen berichteten, sind auch in dem ein oder anderen Behördenpostfach entsprechende Schreiben eingegangen. Eine Kollegin aus der Nähe von Hannover möchten wir an dieser Stelle zitieren: “Ich arbeite in der Nähe von Hannover und merke, dass die Menschen viel respektvoller zu uns geworden sind.”

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